Samstag, 15. Juni 2019

Blickpunkte --- Aktuelles --- InterReligiöse Bibliothek (IRB) --- Interreligiöse Arbeitsstelle (INTR°A) seit 1990


ALLE RELIGIONEN BEDÜRFEN EINANDER,
NICHT NUR IN IHREN GEMEINSAMKEITEN,
SONDERN GERADE AUCH IN IHREN UNTERSCHIEDEN,
DURCH DIE SIE EINANDER ERGÄNZEN. 
WIR SOLLEN IN DER EIGENEN RELIGION DAHEIM
UND IN DER ANDEREN GÄSTE SEIN, 
GÄSTE, NICHT FREMDE.
Paul Schwarzenau



16.06.       Erwin Kräutler (geb. 12.07.1939) - ein Leben für Amazonien, 
                 für die Armen und für das Klima der Welt (Dialog der Religionen)

15.06.       Verstecktes Juwel moderner sakraler Architektur
                  - die Kirche in Lasbeck (Dialog der Religionen)

14.06.       Bei Freunden wie diesen 
                 Staatsbesuch von Aung San Suu Kyi in Tschechien und Ungarn
                 (Qantara.de, 11.06.2019)


Weitere NACHRICHTEN und NACHDENKENSWERTES 
               aus Religion und Welt: hier
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AN-DEUTUNGEN




InterReligiöse Bibliothek [IRB]
InterReligious Library - 
Bibliothèque InterReligieuse - Biblioteca InterReligiosa
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Koordination: Dr. Reinhard Kirste: Anfragen / Kontakt: hier


Interreligiöse Arbeitsstelle 
(INTR°A) seit 1990 

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Kontakt: interrel@t-online.de


Ursprüngliche INTR°A-Webseite seit 2000, mehrfach überarbeitet
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Administrator von 2000 - 2018:  Reinhard Kirste


 
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Mittwoch, 12. Juni 2019

Eins werden mit dem Unendlichen im Augenblick (Friedrich Schleiermacher)

"Auch Gott kann in der Religion nicht anders vorkommen als handelnd ... Mitten in der Endlichkeit eins werden mit dem Unendlichen und ewig sein
in einem Augenblick,

das ist die Unsterblichkeit der Religion."
Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern. 1799, S.130.133 --
Vollständiger Text zum Download ( zeno.org): hier


Mehr zu Friedrich Schleiermacher: hier

--------------------- Mascha Kaléko: Memento ------------------






Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang, 

Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind. 
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind? 

Allein im Nebel tast ich todentlang 
Und laß mich willig in das Dunkel treiben. 
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben. 

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr; 
– Und die es trugen, mögen mir vergeben. 
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, 
Doch mit dem Tod der andern muß man leben. 




CC 

Die Schönheit Gottes


"Wenn ein Mensch die Schönheit der Schöpfung entdeckt,
kann er, 
und sei es nur im Ansatz,
ergriffen werden.
Ist Kontemplation
nicht der Seelenzustand
tiefer Ergriffenheit
vom Staunen einer Liebe,
von der unermesslichen Schönheit
des lebendigen Gottes?"

Frère Roger : In allem ein innerer Friede. Ein            Jahresbegleitbuch. Freiburg u.a. Herder 2003, S. 77

Frère Roger meditiert hier einen Gedanken, der auch im Islam eine besondere Bedeutung hat. Dies kommt auch in diesen Büchern deutlich zur Sprache:
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Bertolt Brecht: Wenn die Haifische Menschen wären


Suhrkamp-Verlag 1971, 29. Aufl.
"Wenn die Haifische Menschen wären, fragte Herrn K. die kleine Tochter seiner Wirtin, "wären sie dann netter zu den kleinen Fischen?"    "Sicher", sagte er. "Wenn die Haifische Menschen wären, würden sie im Meer für die kleinen Fische gewaltige Kästen bauen lassen, mit allerhand Nahrung drin, sowohl Pflanzen als auch Tierzeug. Sie würden dafür sorgen, dass die Kästen immer frisches Wasser hätten, und sie würden überhaupt allerhand sanitärische Maßnahmen treffen, wenn z.B. ein Fischlein sich die Flosse verletzten würde, dann würde ihm sogleich ein Verband gemacht, damit es den Haifischen nicht wegstürbe vor der Zeit. 
Damit die Fischlein nicht trübsinnig würden, gäbe es ab und zu große Wasserfeste; denn lustige Fischlein schmecken besser als trübsinnige. Es gäbe natürlich auch Schulen in den großen Kästen. In diesen Schulen würden die Fischlein lernen, wie man in den Rachen der Haifische schwimmt. Sie würden z.B. Geographie brauchen, damit sie die großen Haifische, die faul irgendwo rumliegen, finden könnten. Die Hauptsache wäre natürlich die moralische Ausbildung der Fischlein. Sie würden unterrichtet werden, dass es das Größte und Schönste sei, wenn ein Fischlein sich freiwillig aufopfert, und sie alle an die Haifische glauben müßten, vor allem, wenn sie sagten, sie würden für eine schöne Zukunft sorgen. Man würde den Fischlein beibringen, dass diese Zukunft nur gesichert sei, wenn sie Gehorsam lernten. Vor allen niedrigen, materialistischen, egoistischen und marxistischen Neigungen müßten sich die Fischlein hüten, und es sofort melden, wenn eines von ihnen solche Neigungen verriete. Wenn die Haifische Menschen wären, würden sie natürlich auch untereinander Kriege führen, um fremde Fischkästen und fremde Fischlein zu erobern. Die Kriege würden sie von ihren eigenen Fischlein führen lassen. Sie würden die Fischlein lehren, dass zwischen ihnen und den Fischlein der anderen Haifische ein riesiger Unterschied bestehe. Die Fischlein, würden sie verkünden, bekanntlich stumm, aber sie schweigen in ganz verschiedenen Sprachen und könnten einander daher unmöglich verstehen.Jedem Fischlein, das im Krieg ein paar andere Fischlein, feindliche, in anderer Sprache schweigende Fischlein, tötete, würden sie Orden aus Seetang anheften und den Titel Held verleihen. Wenn die Haifische Menschen wären, gäbe es bei ihnen natürlich auch eine Kunst. Es gäbe schöne Bilder, auf denen die Zähne der Haifische in prächtigen Farben, ihre Rachen als reine Lustgärten, in denen es sich prächtig tummeln läßt, dargestellt wären. Die Theater auf dem Meeresgrund würden zeigen, wie heldenmütige Fischlein begeistert in die Haifischrachen schwimmen, und die Musik wäre so schön, dass die Fischlein unter ihren Klängen, die Kapelle voran, träumerisch, und in die allerangenehmsten Gedanken eingelullt, in die Haifischrachen strömten. Auch eine Religion gäbe es ja, wenn die Haifische Menschen wären. Sie würde lehren, dass die Fischlein erst im Bauche der Haifische richtig zu leben begännen. Übrigens würde es auch aufhören, dass alle Fischlein, wie es jetzt ist, gleich sind. Einige von ihnen würden Ämter bekommen und über die anderen gesetzt werden. Die ein wenig größeren dürften sogar die kleineren fressen. Dies wäre für die Haifische nur angenehm, da sie dann selber öfter größere Brocken zu fressen bekämen. Und die größeren, Posten innehabenden Fischlein würden für die Ordnung unter den Fischlein sorgen, Lehrer, Offiziere, Ingenieure im Kastenbau werden. Kurz, es gäbe erst eine Kultur im Meer, wenn die Haifische Menschen wären."


Frère Roger: Zukunft der Menschheitsfamilie

Mit den Errungenschaften von Wissenschaft und Technik gelingt es,
Leid zu lindern und Hungersnöte einzudämmen.
Solche weitreichenden Mittel sind unerlässlich, aber sie allein genügen nicht.

Sollten wir eines schönen Morgens in Gesellschaften erwachen, die dank ausgefeilter Technik tadellos funktionieren, in denen aber 
  • das Vertrauen des Glaubens
  • die Einsicht des Herzens,
  • der Durst nach Versöhnung 
erloschen sind - welche Zukunft hätte dann die Menschheitsfamilie?


Frère Roger: 
In allem ein innerer Friede.
Ein Jahresbegleitbuch. Freiburg/Br.: Herder 2009 (Neuausgabe), S. 184

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Dienstag, 11. Juni 2019

Zisterzienserabtei Acey: Kraftort der Stille



Cover des Buches:
L'Abbaye Notre Dame d'Acey. Dole: Éditions As de Coeur 2008

Recht einsam in der Franche-Comté  (Jura) zwischen Dole und Besançon liegt die Zisterzienserabtei Notre Dame d'Acey. Die Stille des Ortes überträgt sich auf die Besucher. Die Herumgehenden und Schauenden werden zu Meditierenden, besonders, wenn der Einhalt zum Chorgebet der Mönche erfolgt. Sie gehören der strengen Observanz der Zisterzienser an, den Trappisten. Ihre Gebete im Horizont des Schweigens verstärken die Stille. Es lässt sich spüren, dass aus dem Schweigen Kraft des Lebens erwächst.


Fenster von Pierre Alain Parrot
In der Kirche selbst kommt das nicht nur durch die Architektur, sondern auch durch die modernen Kirchenfenster zum Ausdruck. Der aus der Region stammende Maler Jean Ricardon und der Glaskünstler Pierre Alain Parrot ersetzten 1994 die alten Fenster durch Glasscheiben in schlichtem bläulichem Grau. Sie brachten damit auch optisch die Einfachheit zisterziensischer Frömmigkeit unmittelbar zum Ausdruck.

Das 1136 gegründete Kloster, also noch zu Lebzeiten des Hl. Bernhard, hat allerdings keineswegs eine ruhige Geschichte hinter sich:
Auflösung des Klosters bereits 1160 durch Kaiser Barbarossa aufgrund des Papstschismas, denn Barbarossa wollte Papst Alexander III. (um 1100 - 1181) als Papst nicht anerkennen.
Details - Navigator Allgemeinwissen: hier

Erst 1182 konnten die Mönche nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch eine Bulle von Papst Lucius III. wieder zurückkehren.
Immer wieder wurde die Abtei in  kriegerische Auseinandersetzungen hineingezogen, besonders durch die Religionskriege im 16 Jahrhundert. 1650 stürzte das Kirchenschiff fast vollständig ein. Ein Brand zerstörte 1683 die Abtei.  Bereits 1790 wurde die Abtei im Zusammenhang der Französischen  Revolution aufgelöst und 1791 verkauft. Erst 1873 kam mit dem Einzug von Trappisten wurde das zisterziensische Leben wieder erweckt.


Abteikirche und Konventsgebäude

Blick zum Seitenaltar

Kirchenschiff
und Mönchsgestühl (links)
Gastfreundlichkeit im Klosterladen

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